Laure Prouvost – WE FELT A STAR DYING

Tauche ein in die faszinierende Welt der Quantenphysik und erlebe Laure Prouvosts neueste Installation “WE FELT A STAR DYING” im Kraftwerk Berlin. Diese multisensorische Ausstellung verbindet Kunst und Wissenschaft auf einzigartige Weise und lädt dich ein, die Grenzen der Realität neu zu entdecken. Bist du bereit, dich auf eine Reise in die Tiefen des Quantenuniversums zu begeben?

Laure Prouvost beschreibt ihre künstlerische Praxis als einen Akt der Übersetzung – eine sensorische Verdichtung von Gefühlen, Wahrnehmungen und Augenblicken. In ihren Filmen und Multimedia-Installationen entwickelt sie fantasievolle Denkansätze und Beziehungen und formt so komplexe narrative Welten. Ihre Werke ziehen uns durch originelle Methoden des Geschichtenerzählens in ihren Bann und stecken voller Humor, Wortwitz, fantastischer Elemente und poetischer Verflechtungen. Sie laden ein, sich entlang neuer Strömungen von Zeit und Raum treiben zu lassen, alltägliche Codes und Strukturen zu verlernen und sich unerwarteten Dimensionen zu öffnen, die uns zu so komplexen Themen wie Verwandtschaft, Migration, Klimawandel und den Beziehungen zwischen verschiedenen Spezies führen.

“WE FELT A STAR DYING ist der Versuch, ein kollektives Umdenken zu bewirken – weg von der gewohnten Newton’schen Deutung der Welt und hin zu einer quantenhaften Realität, mit ihrem mikroskopischen freien Geist und ihrer Verschränkung.”

Laure Prouvost

In ihrem neuen Auftragswerk taucht Prouvost in die kontraintuitive Logik der Quantenphysik und die aus ihr hervorgehenden Technologien ein. Sie fragt: „Wie könnte es sich anfühlen, die Realität aus einer Quanten-Perspektive wahrzunehmen?“ Ihre Installation verbindet Video, Klang, Skulptur, Duft und Licht zu einer fließenden Einheit, die auf die empfindlichen und unvorhersehbaren Eigenschaften von Quantensystemen abgestimmt ist.

Der Quantensprung

Die Etablierung der Quantenphysik vor einem Jahrhundert zeigte, dass sich Materie in kleinsten Maßstäben auf Weisen verhält, die nicht genau bestimmt werden können. Während wir auf makroskopischer Ebene die Interaktionen zwischen Objekten und Kräften mithilfe der klassischen Physik und der Relativitätstheorie berechnen können, zeigt die Quantenphysik, dass sich Wechselwirkungen auf Teilchenebene nicht mittels dieser Theorien vorhersagen lassen. Die Teilchen, aus denen jede Materie – sei sie belebt oder unbelebt – besteht, können gleichzeitig in mehreren Zuständen existieren, sich über Entfernungen hinweg miteinander verbinden und Energiebarrieren passieren, die zuvor als undurchdringbar galten. Die Quantenphysik beschreibt somit eine Realität, die sowohl von einem Maß an Ungewissheit als auch von einer tiefen Verbundenheit ihrer Elemente geprägt ist. Ähnliche Vorstellungen kommen in verschiedenen jahrhundertealten Traditionen vor, darunter in der hinduistischen Metaphysik und der sufitischen Mystik.

Heute werden Quantenprinzipien zur Entwicklung neuer Technologien genutzt. Im Rahmen dieses Projekts arbeitete Prouvost mit dem Philosophen Tobias Rees und dem Wissenschaftler Hartmut Neven zusammen, um gemeinsam zu erforschen, was es bedeutet, Maschinen aus einer quantenmechanischen Perspektive zu bauen. Rees beschreibt diesen Prozess als eine radikale Abkehr von der klassischen Physik. Über Jahrhunderte hinweg hatten die Gesetze der Mechanik die Realität in Begriffen definiert, die auf vom Menschen geschaffenen Instrumenten beruhten. Quantencomputer eröffnen nun hingegen die Möglichkeit, Instrumente auf Grundlage einer Realität zu schaffen, die die klassischen Mechanismen herausfordert oder gar sprengt. Die unvorhersehbaren quantenmechanischen Prozesse, auf denen sie basieren, stellen dabei sogar infrage, was wir üblicherweise unter ‚Maschinen‘ verstehen.

Quantencomputer befinden sich noch im Anfangsstadium ihrer Entwicklung. Ihre inhärente Instabilität hat zur Folge, dass sie bei ein und derselben Berechnung unterschiedliche Ergebnisse liefern. Während Technologieunternehmen nach Möglichkeiten suchen, diese Unbeständigkeit zu verringern, eröffnet Prouvosts Auftragswerk einen Raum, sich mit genau diesen Eigenschaften zu befassen – mit der Fragilität, der Empfindlichkeit und dem Grad an Unvorhersehbarkeit – gewissermaßen der ‚Quantenartigkeit‘ des Quantencomputing.

Der Titel des Projekts, WE FELT A STAR DYING, verweist auf eine zweite, für die Quantentechnologie ebenfalls relevante Form des Rauschens, die als Umgebungsrauschen bezeichnet wird. Es resultiert aus der Empfindsamkeit der Quantentechnologien gegenüber planetarischen und kosmischen Kräften wie Wärme, Vibration, Strahlung und Magnetfeldschwankungen. Diese Einflüsse weisen darauf hin, dass Quantensysteme nicht nur von denselben Mustern geprägt sind wie das Universum, sondern in ständigem Austausch mit dessen dynamischen Prozessen stehen.

So können Quantensysteme im Gegensatz zu klassischen Computern durch kosmische Strahlung gestört werden: Beim Auftreffen auf die Erde können die Strahlen mit den empfindlichen Quantenzuständen der Computer interferieren und ihre Funktionsfähigkeit beeinträchtigen. Das Umgebungsrauschen bildet die Grundlage für die Prozesse in Prouvosts Installation: Während Bilder und Klänge zwischen unterschiedlichen Zuständen changieren, geraten die skulpturalen Elemente immer wieder aus ihrem synchronen Zusammenspiel. Es sind diese Wechselwirkungen, die sie als eine Art Quantensystem erkennbar machen.

Das Projekt ist im Kraftwerk Berlin zu sehen, einem Relikt des ausgehenden Industriezeitalters, dessen Anlage einstmals große Maschinensysteme zur Energieerzeugung beherbergte. Diese beeindruckende Betonstruktur wird zur Bühne für Prouvosts Erkundungen der Instabilität und Empfindsamkeit heutiger Quantenmaschinen – eine Gegenüberstellung, die auf die umfassenden Transformationsprozesse hin zum Beginn einer Quanten-Ära verweist.

WE FELT A STAR DYING entwirft eine poetische Vision dieses Übergangs. Mit einem Blick hinaus zu den Sternen und in das Reich der subatomaren Teilchen bietet das Werk Augenblicke, Klänge, Rhythmen und Empfindungen als Zugänge zu einer Welt, die sich jeglicher Kategorisierung entzieht.

Laure Prouvost – WE FELT A STAR DYING

21. Februar 2025 – 4. Mai 2025

Kraftwerk Berlin

Veröffentlicht am: 13.03.2025 | Kategorie: Ausstellungen, Kultur, Kunst,

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