Kunst als Dialog, Kollision, Komplizenschaft: Die Ausstellung Head to Head im Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 bringt zwei außergewöhnliche Positionen zusammen – Laura Bruce und Heidi Sill. Was passiert, wenn zwei starke künstlerische Handschriften über 200 Seiten hinweg aufeinandertreffen, sich vermischen, verschwimmen – und etwas völlig Neues entsteht? Das Ergebnis ist ein visuelles Pingpong mit Tiefgang und Witz, das die Grenzen von Autorschaft und Identität hinterfragt. Wie viel Ich bleibt im Wir – und wie viel Kunst entsteht im Dazwischen?
Head to Head – Laura Bruce & Heidi Sill im VdBK1867
Zwei Künstlerinnen. Zwei Stimmen. Ein gemeinsames Buchprojekt. Für die Ausstellung Head to Head arbeiteten Laura Bruce und Heidi Sill ein Jahr lang intensiv zusammen – in Form zweier großformatiger Zeichenbücher mit rund 200 Blättern. Sie tauschten die Bücher regelmäßig, überarbeiteten einander Zeichnungen mit Tusche, Aquarell, Kreide und Stiften, schufen neue Kompositionen und visuelle Dialoge.
Die entstandenen Seiten sind vielschichtige Collagen aus Fragmenten, Überlagerungen, Spuren und intuitiven Eingriffen. Papiere aus dem eigenen Fundus wurden eingeklebt, Rückseiten auf der Vorderseite weitergeführt – Geschichten entstehen, setzen sich fort oder brechen unerwartet ab. Die individuelle Handschrift der Künstlerinnen tritt in den Hintergrund, zugunsten eines kollektiven Ausdrucks.
Einige dieser Blätter wurden für die Ausstellung ausgewählt und sind als Editionen erhältlich. Ergänzt wird das Projekt durch Einzelarbeiten beider Künstlerinnen, die jeweils ihre ganz eigenen ästhetischen Welten zeigen. Bruce und Sill begegnen sich dabei in erzählerischen, figürlichen und manchmal auch ironisch gebrochenen Bildwelten, die Körperlichkeit und gesellschaftliche Narrative reflektieren und dekonstruieren.
Die Künstlerinnen
LAURA BRUCE
Die US-amerikanische Künstlerin Laura Bruce, geboren am 28. September 1959 in East Orange, New Jersey, lebt und arbeitet seit 1990 in Berlin. Sie studierte am Pratt Institute in Brooklyn, New York und in London erwarb sie den Master of Fine Arts an der Slade School of Fine Art. Seit 2019 ist Bruce Mitglied im Verein der Berliner Künstlerinnen 1867.
Bruce hat in verschiedenen Jurys und Gremien mitgewirkt, unter anderem als Sprecherin der Aufnahmekommission des Berliner Verbandes Bildender Künstler (bbk).
Ihr Werk umfasst Zeichnung, Malerei, Installation, Video und Performance. Großformatige schwarz-weiße Graphitzeichnungen sind ein entscheidender Teil ihrer Arbeit. Seit kurzem entstehen großformatige, abstrakte Buntstift- und Graphitzeichnungen sowie Keramikskulpturen.
Werke von Laura Bruce befinden sich u. a. in den Sammlungen des Neuen Berliner Kunstvereins, des Kupferstichkabinetts Berlin, der Berlinischen Galerie, der Landessammlung Rheinland-Pfalz, Mainz, und der Vattenfall Stiftung, Berlin. Bruces Arbeiten wurden in Deutschland, Europa und Übersee ausgestellt. Zuletzt im City Art Center Edinburgh, Schottland und eine Einzelausstellung mit Katalog in der Galerie Parterre in Berlin. Laura Bruces ortsspezifische (10 × 6 m) Wandzeichnung De Septentrione ad Austrum (2015) wurde im Sommer 2015 in Aschersleben im Kopfgebäude des Bestehornparks realisiert und offiziell an die Stadt Aschersleben übergeben.
HEIDI SILL
Geboren in Fürth/Bayern, lebt und arbeitet in Berlin. Studium an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, Meisterschülerin, anschließend Stipendiatin am Institut des Hautes Etudes en Arts Plastiques, Paris.
Zahlreiche Preise und Stipendien, sowie Ausstellungen im In- und Ausland: u.a. Neues Museum Nürnberg; Martin-Gropius Bau, Berlin; Palais de Tokyo, Paris; Le Magasin – Centre National d’Art Contemporain, Grenoble; Kunsthalle Nürnberg; Brandenburgischer Kunstverein Potsdam; Museum Villa Rot, Burgrieden.
Kunst im öffentlichen Raum u.a.: Künstlerhaus Nürnberg, Physikalisch Technische Bundesanstalt Berlin, Deutscher Bundestag Berlin, Frankenschnellweg – Lärmschutzwand.
Lehrtätigkeiten: Universität der Künste Berlin (UdK Berlin), Ecole Supérieure d’Art et Design Grenoble-Valence (F), HAW Hamburg, Muthesius Kunsthochschule Kiel.
Ehrenamtliche Tätigkeiten: 2013 bis 2016 Vorstandsmitglied im Deutschen Künstlerbund, bis 2019 Mitglied im Fachausschuss Bildung des Deutschen Kulturrats und von 2016 bis 2022 Sprecherin des berufsverband bildender künstler*innen berlin / bbk berlin. Seit 2022 Mitglied im Rat für die Künste Berlin.
Heidi Sill setzt sich in ihrer Arbeit mit der Fragilität des menschlichen Körpers auseinander. Mittels Zeichnung, Collage und Installation versucht sie Bilder jenseits der uns umgegebenen normierten Körperbilder zu schaffen.
VEREIN DER BERLINER KÜNSTLERINNEN 1867
Die Gründung des Vereins 1867 war eine Pionierleistung von Künstlerinnen. Der Verein unterhielt eine eigene Kunstschule und erwarb dazu 1893 ein eigenes Haus in der Potsdamer Straße 98a. Künstlerinnen wie Käthe Kollwitz und Paula Modersohn-Becker erhielten an der Zeichen- und Malschule des Vereins eine akademische Ausbildung, die Künstlerinnen bis 1919 an den Kunstakademien verwehrt wurde. Der VdBK 1867 trug dazu bei, dass auch Frauen eine fundierte künstlerische Ausbildung, soziale Absicherung und Ausstellungs- und Verkaufsmöglichkeiten erhielten.
Nach langen Jahren ohne Domizil hat der Verein heute in der Eisenacher Straße 118 in Berlin-Schöneberg neue Ausstellungsräume und setzt sich mit einem regen Ausstellungsprogramm generationsübergreifend für die Präsenz und Gleichstellung von Berliner Künstlerinnen ein. Er pflegt aber auch sein kulturelles Vermächtnis und zeigt die Werke seiner historischen Mitglieder.
Head to Head. Laura Bruce & Heidi Sill
03. April 2025 – 04. Mai 2025